Du hast keinen Stress. Du machst ihn dir.
- Daniela Dörre
- 8. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Geburtstagsfeier.
"Und, wie geht's dir?"
"Gut — aber ich hab gerade so viel Stress."
Wenn du nur das Wort "Stress" hörst, rollst du mit den Augen.
"Hat ja jeder. Kann man eh nix machen."
Blitzschnell der Nachsatz. Wie ein Reflex. Und das Thema? Schon wieder woanders.
Echt jetzt?
Lass uns mal genauer hinschauen:
Äußerer Stress.
Mit dem Job.
Mit dem Partner.
Mit den Schwiegereltern.
Mit dem Hausbau.
Mit dem Finanzamt.
Womit auch immer.
Kannst du easy ändern: Kündigen. Trennen. Reden. Verkaufen. Managen. usw.
Schwierig? Vielleicht.
Warum?

Fehlender Mut.
Unentschlossenheit.
Selbstkritik. Schuldgefühle.
Scham. Wut. Ärger.
Rücken. Bauch. Kopf.
Brainfog. Etwas in der Art.
Und das macht dir Stress.
Den eigentlichen Stress.
Inneren Stress.
Du willst es nicht.
Fühlst dich mies. Ungenügend.
Ärgerst dich, weil du es wieder nicht gebacken bekommen hast.
Dich klein gemacht.
"Ja" gesagt.
Es einfach nicht auf die Reihe gekriegt.
Wie peinlich. Bloß nicht drüber reden. Deckel drauf.
Doch innen brodelt's weiter. Bohrende Fragen: "Warum …?" Immer wieder.
Schon bemerkt?
Was steckt dahinter?
Schau:
Du wirst geboren als einzigartige Persönlichkeit.
Voller Stärken. Voller Talente. Voller Potenziale.
Mit eigenen Bedürfnissen.
In ein Umfeld, was nichts darüber weiß. Ok — vielleicht ein wenig.
Jetzt beginnen soziale Prägungen, Erwartungen, gesellschaftliche Normen, schicksalhafte Ereignisse.
Und wer weiß, was noch.
Und somit Anpassungen, Trigger, Erfahrungen, Muster, Traumata.
Du willst schließlich überleben.
Teil der Gruppe bleiben.
Geliebt und nicht ausgeschlossen werden.
Und nun?
Tja, deine wunderbare Persönlichkeit bekommt einen Dämpfer,
einen neuen Anstrich, oder zwei,
wird bewertet, gerichtet, verbogen.
Meist unabsichtlich.
Deine Stärken kommen nicht zum Zug.
Deine Talente verkümmern.
Deine Potenziale bleiben auf der Strecke.
Deine Bedürfnisse dürfen im Keller bleiben.
Und du denkst: das muss so sein.
Das ist normal.
Ist es nicht!
Der Beweis? Dein innerer Stress.
Und der Körper leidet mit.
Arianna Huffington — Mitgründerin der Huffington Post — kollabierte 2007 an ihrem Schreibtisch.
18-Stunden-Tage, vier Stunden Schlaf.
Kopf auf die Tischkante, Jochbein gebrochen.
Zwei Wochen Untersuchungen.
Diagnose am Ende: Erschöpfung.
Wenn selbst eine der mächtigsten Medienfrauen der Welt so endet — was macht dich so sicher, dass dein Körper länger durchhält?
Und nun?
Eine Klientin von mir. Führungskraft.
Früher: Früh die Erste, abends die Letzte.
Unplanmäßige Termine auswärts — Schweißausbrüche.
"Ich kann doch nicht einfach verschwinden."
Also hat sie gefragt. Ohne zu fragen. Und trotzdem: Erlaubnis eingeholt. Von Mitarbeitern.
Dann der Shift.
Als sie verstanden hatte, dass sie ihre Rolle mit ihrer Persönlichkeit verbinden darf.
Dass Persönlichkeit und Stärken in der Rolle aufgehen dürfen.
Und nicht von Erwartungen geprägt sein müssen.
Kein Fragen mehr. Nur noch die Information.
"Ich bin dann weg. Ihr kriegt das hin."
Gleicher Satz, fast. Anderer Tonfall. Weil sie ihn selbst geglaubt hat.
Und ihr Team?
Hat es einfach genommen. Normal. Kein Aufstand, keine Blicke, kein Getuschel, das sie befürchtet hatte.
Eine Baustelle weniger.
Außen wie innen.
Wie ist es bei dir?
